Als Arbeitgeber darf ich jederzeit die Wohnung meiner Mitarbeitenden betreten
Als Arbeitgeber darf ich JEDERZEIT die Wohnung meiner Mitarbeitenden betreten. Das habe ich mir vertraglich zusichern lassen.
Natürlich nicht. Aber genau das hätte ich unterschreiben sollen, wenn ich den AV-Vertrag (Auftragsverarbeitungsvertrag) akzeptiert hätte, der vor ein paar Tagen auf meinem Tisch lag. Wir hatten eine Anfrage zum Verbandbuch. Wir haben dafür einen Standardvertrag, der die üblichen Anforderungen sauber abdeckt. Trotzdem bringt fast jeder externe DSB (Datenschutzbeauftragte) seine eigene Liste an Sonderwünschen mit. So weit, so normal.
Diesmal wollte der Kunde aber folgenden Passus drin haben: soweit die Daten in einer Privatwohnung verarbeitet werden, ist vorher der Zugang zur Wohnung des Beschäftigten für Kontrollzwecke vertraglich sicherzustellen.? Übersetzt heißt das: Wenn einer meiner Mitarbeiter im Homeoffice arbeitet, soll ich ihm vertraglich vorschreiben, dass sein Arbeitgeber, also ich, jederzeit die Wohnung betreten darf. Für Kontrollzwecke. Im Auftrag eines Kunden.
Wo ist hier eigentlich die Verhältnismäßigkeit? Sollen wir unangekündigt klingeln und prüfen, ob der Laptop ordentlich steht? Sollen wir Fotos vom Schreibtisch machen und an den Kunden weiterleiten? Und was passiert, wenn der Mitarbeiter den Zugang verweigert, weil er gerade duscht oder Besuch hat?
Meiner Meinung nach hat das mit Datenschutz nichts mehr zu tun. Es ist der Versuch, Verantwortung zu verschieben, formuliert in Juristen-Deutsch, ohne Bezug zur Realität.
Und das Traurige: Solche Klauseln stehen nicht zufällig drin. Sie kommen aus Mustervorlagen, die durchgereicht werden, ohne dass jemand wirklich überlegt, was sie in der Praxis bedeuten. Mein Wunsch an alle externen DSBs: Geht pragmatisch an die Sache. Eine Klausel, die im Alltag nicht umsetzbar ist, schätzt am Ende keine Daten. Sie blockiert nur die Zusammenarbeit.
Wie geht Ihr mit solchen Forderungen um? Verhandeln, ablehnen, Kunde ziehen lassen? Mich interessiert, wie andere kleine und mittlere Unternehmen das handhaben.
Danke an Samuel Debus von Lindwurm für das Foto.